Die Grundlagen sind nun geklärt, doch bevor man sich in die Charts “stürzt” um sein neues Wissen anzuwenden, folgen hier neun Regeln, welche man beim Traden von Divergenzen beachten sollte. Entweder man merkt sich diese Regeln, oder aber man wirft bei Unsicherheiten einfach nochmal einen Blick auf diesen Artikel.
1. Vorraussetzungen für Divergenzen
Damit Divergenzen überhaupt existieren können, muss im Preischart eine der folgenden Situationen vorherrschen:
- ein höheres Zwischenhoch (higher high)
- ein niedrigeres Zwischenhoch (lower high)
- ein niedrigeres Zwischentief (lower low)
- ein höheres Zwischentief (higher low)
- Doubletop
- Doublebottom
Bevor eine dieser Grundvoraussetzungen nicht gegeben ist, braucht man gar keinen Blick an die Indikatoren verschwenden. Dann ist konstruiert man sich zwar etwas, was allerdings nichts mit Divergenzen zu tun hat.
2. Nur tatsächliche Extrempunkte verbinden
Nun, da irgendeine Form von Bewegung im Markt vorherrscht, wird es Zeit nach Divergenzen Ausschau zu halten. Nochmal zur Wiederholung: es wird lediglich eine der vier Möglichkeiten zu sehen sein (higher high, lower high, lower low, higher low). Nun zeichnet man eine Trendlinie vom aktuellen Zwischenhoch/-tief rückwärts zum vorherigen Extrempunkt. Somit wird sichergestellt, dass man die letzten beiden Extrema miteinander verbindet. Diese Trendlinie darf dabei zwischendurch nicht durch lange Dochte o.ä. durchbrochen werden. Ist dies der Fall, so ist die Suche nach einer Divergenz in diesem Fall vorerst beendet.
3. Es werden nur Hoch und Tiefs verbunden
Auch wenn es dem ein oder anderem abwegig erscheinen mag, aber hier sei nochmals darauf hingewiesen: wenn man zwei Swing-Hochs sieht, dann verbindet man nur diese Hochs. Sind zwei Swing-Lows zu sehen, so werden nur diese Tiefs verbunden. Es darf auf keinen Fall versucht werden, bei zwei higher highs eine Trendlinie unter den Kurs zu legen, ebenso darf bei zwei lower lows keine Trendlinie über den Kurs gelegt werden.
4. Konzentration auf die Extrema
Nachdem man also zwei Swing-Highs oder zwei Swing-Lows verbunden hat, wird es Zeit den Fokus auf den Indikator zu lenken. Egal welchen Indikator man benutzt, es sind immer nur die Hochs und Tiefs interessant. Einige Indikatoren, wie beispielsweise der Stochastik haben mehrere Linien welche sich ununterbrochen umeinander winden – dies kann einfach ignoriert werden, es sind nur die Extrempunkte von Interesse.
5. Parallelismus der Trendlinien
Verbindet man zwei Hochs/Tiefs im Preischart miteinander, dann müssen auch die gleichen Hoch-/Tiefpunkte im Indikator miteinander verbunden werden. Beide Trendlinien müssen zeitlich also zueinander passen.
6. Die Spur halten
Die Extrempunkte im Preischart müssen zeitlich mit den Extrema im Indikator übereinstimmen, sie müssen also vertikal auf einer Linie liegen. Teilweise bildet der Indikator sein Tief bereits ein paar Tage (im Tageschart) früher aus als der Preis; dies ist nicht regelkonform, diese Situation könnte man also gleich wieder aus dem Fokus streichen.
7. Die Steigung, die Steigung
Divergenzen existieren nur, wenn die Steigung der Indikatorlinien nicht mit der des Preises übereinstimmt. Ist sowohl im Preischart als auch im Indikator ein higher high zu sehen, ist dies zwar eine Bestätigung des aktuellen Trends, hat mit einer Divergenz allerdings nichts zu tun.
8. Den Zug nicht verpassen
Wie beiden meisten anderen Situationen an der Börse gilt auch bei Divergenzen: don’t chase the entry, man soll einem Einstieg also nicht hinterherlaufen. Wenn man eine Divergenz entdeckt und die entsprechenden Rahmenbedingungen stimmen, dann wird diese Divergenz sofort getradet. Wer ein paar Tage oder Wochen wartet, bspw. um zu sehen ob sich auch wirklich ein neuer Trend etabliert, für den kann der Zug bereits abgefahren sein:
9. Einen Schritt nach hinten gehen
Diese Regel findet bei quasi allen charttechnischen Beurteilungen Anwendung, dementsprechend auch bei Divergenzen. Je größer der Zeithorizont welchen man analysiert, desto verlässlicher sind die Signale. Wer den 5-Minuten-Chart beobachtet wird mehrmalt täglich auf Divergenzen stoßen, seien es normale oder versteckte. Gleichzeitig wird ein Großteil dieser Divergenzen zu Verluste führe, da es sich um Fehlsignale handelt. Wer hingegen auf den 4-Stunden, Tages-, oder gar Wochenchart zurückgeht, dem werden deutlich weniger Signale geboten, diese sind allerdings bedeutend signifikanter. Die Chance in kurzfristigen Timeframes auf ein Fehlsignal reinzufallen ist ungleich höher als im Tageschart. Ich persöhnlich würde nicht tiefer als in den Stundenchart gehen und auch dass nur im Extremfall. Der Tageschart ist, sofern es der Analgehorizont zulässt, in meinen Augen der optimale Kompromiss zwischen kurz- und langfristig.
Das sind sie also, neun Regeln welche die Profitabilität von Divergenzen deutlich erhöhen können. Selbstverständlich ist es kein sicherer Verlusttrade wenn man mal nicht alle Regeln befolgt, dennoch wird die Erfolgswahrscheinlichkeit durch diese Leitlinien deutlich erhöht. Dafür sollte man auch eine geringere Anzahl an gültigen Signalen in Kauf nehmen.









